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Ansprache von Martin Pretsch
Anlässlich des 10. Geburtstags des Zirkus Fitzefatze
05.2.2012 - AWO Geislingen Martin Pretsch
10 Jahre Zirkusgruppe Fitzefatze zum 04.02.2012
Liebe Zirkusfreunde, Liebe Kinder und Zirkusartisten,
unsere Zirkusgruppe feiert Heute ihren Zehnten Geburtstag.
Man kann sagen dass wir ein fester Bestandteil unserer Arbeiterwohlfahrt, in Geislingen, geworden sind. Die AWO trägt uns und wir tragen die AWO.
In Wirklichkeit hat vor über 10 Jahren keiner daran geglaubt, dass es möglich ist, eine solche Gruppe aufzubauen und zu erhalten, aber es sind ja immer viele Faktoren, die dazu beitragen, dass etwas entsteht und sich hält.
Als ich 1991 Mitglied der Arbeiterwohlfahrt wurde, war dieser Verein schon sehr überaltert. Mit meinen knapp 28 Jahren war ich eines der jüngsten Mitglieder. Genauer gesagt waren wir drei Personen die unter 30 waren. Weitere 20 Personen waren unter 50, ca. 30 Personen unter 60, und ca. 60 Personen im Alter von 60 – 100 Jahre.
Ich war ne echte Minderheit.
Wir hatten sogar ein Mitglied, welches über 100 Jahr alt war.
Die starke Überalterung im Verein war natürlich auch Thema im Vorstand.
Schon damals reizte es mich eine Kindergruppe aufzumachen, doch die Reaktionen im Vorstand waren von sehr skeptisch bis hin zu: „Das ist nicht möglich“.
So blieb es eben bei einem Traum.
Es war im Jahr 2000, als sich die Talente meiner beiden Kinder Zuhause in ungewöhnlicher Weise zeigten. Wir hatten damals eine kleine 65 Quadratmeter Wohnung. In unserem ehelichen Schlafzimmer stand auch mein Schreibtisch etwa 70 Zentimeter von Bett entfernt. Durch die Räumliche Enge wurde auch dieser Raum als Spielzimmer genutzt. Der Schreibtisch eignete sich gut als Sprungturm, das Bett war der Landeplatz. Kurze Zeit ging es gut, dann brach der erste Lattenrost. Nach der Reparatur und einige Zeit später sorgten die Saltos der Kinder für weitere Bruchstellen am Lattenrost.
Da wir unsere Möbel noch ein wenig behalten wollten, ich die Kinder in Ihrem Talent aber auch gerne unterstützte,
ging ich auf die Suche nach einer geeigneten Freizeitbeschäftigung für meine zwei Mädchen.
Ich sprach mit dem damaligen Kreisjugendleiter Karl Heinz Ramminger, der mir empfahl, meine Kinder in den Kinderzirkusnachmittag, im Jugendhaus im Tälesbahnhof, zu geben. Dort konnten Anika und Tanja, ein Mal pro Woche, ihre Saltos schlagen ohne mein Bett zu ruinieren. Der damalige Jugendhausleiter Jürgen hatte das Thema Zirkus als neues Programm zur Beschäftigung der kleinen ins Jugendhaus eingebracht. Den Kindern gefiel es sehr.
Mit einfachsten Mitteln lehrten Jürgen und seine beiden Assistentinnen den Kindern kleine Akrobatische Übungen, ein wenig Jonglage und für die größeren auch das Fahren auf einem Einrad.
Leider wurde diese Gruppe, im Sommer 2001, durch das Ausscheiden des Jugendhausleiters aufgelöst. Jürgen bekam eine Stelle in Ludwigsburg und die Kinder hatten keinen Zirkusnachmittag mehr.
Jetzt mussten alle Eltern der Zirkus - Kinder um Ihre Möbel fürchten.
Meine Frau Claudia hatte die rettende Idee.
Wir wollten, mit diesen Kindern, eine eigene Kindergruppe gründen, doch dazu benötigten wir die Unterstützung der AWO.
Als ich mit dieser Idee zu unserem Vorstand ging, glaubte keiner der Anwesenden, dass es möglich sei eine Kindergruppe attraktiv genug zu machen, um Kinder und auch helfende Personen zu motivieren, dort mitzumachen. Hans Bosler sprach für mich und meine Idee, und der Vorstand traute sich nicht zu widersprechen.
Über seine guten Beziehungen organisierte er einen Raum für die Gruppe und half mir bei der Beschaffung der ersten Möbel. Eine gebrauchte Küche war auch schon mit dabei.
Da die Räume doch sehr klein waren erlaubte uns Herrn Dr. Nuber von der Volkshochschule, seinen VHS - Turnsaal mit zu verwenden.
Alles war vorbereitet und so trafen sich am Samstag den 02.02.2002 6 Betreuer und 8 Kinder zur ersten Gruppenstunde des AWO Kinderzirkus Fitzefatze.
Die meisten der damaligen Betreuer waren die Eltern der Zirkuskinder, die sehen wollten, ob es auch etwas für ihre Kleinen ist. Des Weiteren waren Jürgen und Corinna mit dabei. Jürgen kam extra aus Ludwigsburg zu uns, und brachte mir, bei dieser Gelegenheit, auch einige Zirkuskunststücke bei. Vom Zirkus hatte ich Anfangs wirklich keine Ahnung. Es wurde auch noch viel Gespielt und gebastelt. Zirkusgeräte hatten wir kaum und was wir hatten - war von Jürgen oder ich hatte es gebaut.
An den besten Tagen hatten wir bis zu 23 Kinder in der Gruppe, so das die Räumlichkeiten nicht mehr ausreichte.
Da laufend neue Kinder unserer Gruppe beitreten wollten, wir aber keine mehr aufnehmen konnten, musste ich die einfachen Werbemaßnahmen die wir hatten, einstellen. Irgendwann pendelte sich die Zahl der anwesenden Kinder auf etwa 13 – 15 ein. Die Zahl der helfenden Eltern nahm dafür schlagartig ab. Sie merkten wohl, dass es auch ohne sie sehr gut geht.
Die ersten Zirkuselemente waren damals Jonglage, Einrad, Seiltanz und Akrobatik. Unser Hochseil war damals aus Holz.
Unsere ersten Auftritte 2002 waren das Sommerfest im Kindergarten in Faurndau, beim Helfenstein Festival in Geislingen und bei unserem AWO – Sommerfest. Über den Auftritt beim Fischerball im Hotel Krone sind wir sogar ins Internet gelangt und natürlich sah man uns bei der Weihnachtsfeier in der Jahnhalle.
Meine beiden wichtigsten Helfer, die maßgeblich am Aufbau der Gruppe beteiligt waren, Jürgen und Corinna, verabschiedeten sich Anfang 2003 aus unserem Zirkus.
Durch die langen Anfahrtszeiten war es ihnen nicht mehr möglich unsere Gruppe zu unterstützen aber beide hinterließen mir einen reichhaltigen Erfahrungsschatz.
Das Jahr 2003 war natürlich wieder ausgefüllt mit Aktivitäten verschiedener Art. Die wohl bedeutendste Geschichte war der Umzug in die Einsteinschule. Da der Kindergarten in der Bleichstraße erweitert werden sollte, wurden uns die Räume gekündigt. Wieder war es Hans Bosler, der sich bei der Stadt einsetzte und uns den Raum in der Einsteinschule organisierte. Durch den größeren Raum und den Schulhof waren uns wesendlich mehr Entfaltungsmöglichkeiten geboten.
Dann kam der Umzug.
Hans half mir noch beim Möbeltransport und zum Schluss fegte ich noch unsere alten Räume heraus. Es schien alles in Ordnung als ich die Räume in der Bleichstraße abschloss und ins Wochenende ging. Die Küche hatte ich selbst ausgebaut. Auch die Anschlüsse selbst abmontiert. Ich ahnte nichts.
Montagvormittag, also 2 Tage später, wurde ich im Geschäft angerufen. Als ich rüber in die Bleichstraße kam sah ich die Bescherung. An der Außenfassade des Kindergartens lief Wasser herunter. Im Treppenhaus ebenso. Die oberen Räume, also unsere ehemaligen Räumlichkeiten, standen im Wasser und auch der Kindergarten darunter war zum Schwimmbad geworden. Mir gab man die Schuld. Ich hätte das Absperrventil in der Küche nicht richtig zugedreht. Herr Kurz von der Stadt Geislingen kam schreiend auf mich zu und drohte mir mit sämtlichen Konsequenzen bis hin zum Lebenslangen Reinigungsdienst in der Städtischen Kanalisation. Oder so was Ähnlichem. Ich war verzweifelt. Und wieder war Hans da, bewaffnet mit Putzeimer und Lappen, und wischte den Boden.
Nach einigen Wochen und viel diplomatischer Arbeit meines treuen Freundes übernahm die Stadt dann doch die Kosten der Trockenlegung und die Reparaturarbeiten. Ich konnte nie beweisen, dass ich unschuldig an der Überflutung des Kindergartens war, obwohl ich immer beteuerte, dass ich den Kindern nur Einrad und nicht schwimmen beibringen wollte.
Wir durften dennoch in die Einsteinschule einziehen aber ich denke, die Hausmeisterin Frau Banzhaf war darüber nicht sehr erfreut. Sie hat ja wohl auch von dieser Katastrophe erfahren. Herr Kurz, von der Stadt, hat mir auch verboten selbst zu renovieren, oder Nägel in die Wände zu schlagen. Ich vermute er hatte Angst ich würde das nächste Wasserrohr treffen.
Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Zahl der Kinder auf 13 eingependelt und da ich die Gruppe alleine führte, wäre jedes Kind mehr wohl eins zu viel gewesen.
Ich benötigte Hilfe.
Ich Arbeitete damals bei der Firma Rau hier in Geislingen.
Rau bildete damals Kaufleute aus. Eine davon war Melanie Huber. Nach Ihrem Ausscheiden aus dem Turnverein Eybach schien sie ein neues Hobby zu suchen. Die Zirkusgruppe begeisterte sie, die Kinder schlossen sie in ihr Herz und ich hatte eine neue Trainerkollegin.
Mitte Februar 2004 kam sie das erste Mal in den Zirkus,
Schon wenige Wochen später stand sie das erste Mal mit den Kindern auf der Bühne und das auch noch in der Eybtalhalle, ihrer damaligen Heimat, - bei der Familienfeier des Schwäbischen Albvereins.
Schnell hatte sie sich eingefügt und die Herzen der Kinder erobert. Das war jetzt auch wichtig, denn ich wurde im folgenden 2005 Jahr AWO Vorsitzender und Meli übernahm die Leitung des Kinder und Jugendzirkus Fitzefatze.
Durch das Engagement von Meli wurden uns schnell einige neue Türen aufgetan. Schon 2005 trat unsere Gruppe zum ersten Mal in einem richtigen Zirkuszelt auf. Es war das erste Kinderzirkusfestival in Göppingen. Das Gefühl in einer richtigen Manege aufzutreten war unbeschreiblich. Ich hatte unglaubliches Lampenfieber und Meli beruhigte mich. Kaum ein Jahr später war es sie, die vor den Auftritten sehr Nervös war und ich durfte sie beruhigen.
Auch unsere erste Zweitageswanderung wurde gemacht und auch dies war ein großer Erfolg.
Neue Programmpunkte wie das Inlineskaten und Tanzen kamen dazu.
Auch 2006 war bunt durchwachen mit verschiedenen Auftritten und Veranstaltungen. Außergewöhnlich war wohl die AWO Weihnachtsfeier im Dezember. Zum ersten mal führte die Zirkusgruppe, gemeinsam mit unseren Senioren ein selbst geschriebenes Theaterstück auf. Ich benötigte ein Jahr um aus der Geschichte: „Die Vorstadtkrokodile“ ein Theaterstück zu schreiben und ein weiteres Jahr brauchten wir für Proben Dekoration und das Bühnenbild. Bei dieser Geschichte ließ ich auf der Bühne, ähnlich wie im Film, den Hauptdarsteller vom Dach einer Ziegelei fallen. Das ganze natürlich abgesichert mit passenden Klettergurt. Allein das Ziegeleigebäude standfest auf der Bühne zu fixieren war schon eine enorme Leistung. Es musste ausgeschlossen werden, dass es durch das Gewicht des fallenden Kindes mit umfällt. Das Gebäude hat überlebt und das Kind auch.
2007 kam Hermann zu uns in den Zirkus. Eigentliche wollte er Hochseillaufen lernen, doch der Kindern zuliebe ließ er sie auf das Seil und übernahm lieber die Verantwortung. Und das war nicht einfach. 2 Unfälle mit Knochenbruch musste er, in Verantwortung, tragen, aber keiner der Kinder hat das Seillaufen aufgegeben. Hermann war auch in anderer Hinsicht eine große Entlastung besonders wenn wir zu späterer Stunde von irgendwelchen Veranstaltungen zurück kamen, versorgte er unsere Kleinen und brachte sie anschließend sicher nach Hause. Auch einen neuen Programmteil gab’s in diem Jahr. Eine Zaubershow. Dabei wurde, vor den Augen des Publikums, ein Kind in eine Kiste gesteckt und ein Anderes wieder herausgeholt.
In den folgenden Jahren trainierten bis zu 20 Kinder in unserem Zirkus. Einige der Großen Kinder engagierten sich als Trainer
Das war absolut notwendig, da wir zwischenzeitliche bis zu 5 Gruppen gleichzeitig trainierten.
Während Christian die Jonglagegruppe führte, Tanja die kleinen Einräder trainierte, Herman das Hochseil kontrollierte und Dina die Bärenrollen sortierte war ich bei den Hochrädern und Meli in der Koordination mit der nächsten Veranstaltung beschäftigt.
Und dann kam noch Dagmar mit ihren Kinder in unsere Gruppe und machte, aus den schon verstaubten Hula Hup Reifen, eine absolut professionelle Hammernummer. Nach über 7 Jahren verkündete unsere Meli Ende 2011 leider ihren Abschied vom Zirkus. Seit 2012 bilden Hermann, Christian und ich, zu dritt die neue Zirkusleitung.
An vielen Veranstaltungen durften wir teilnehmen, viele Einradkurse haben wir gegeben. An allen 4 Zirkusfestivals in Göppingen, 2005, 2007, 2009, 2011, waren wir mit dabei und lieferten ein komplettes Tagesprogramm.
Große Veranstaltungen in der Jahnhalle durften wir organisieren wie:
2005 Weihnachtszauber, zusammen mit Torsten Moll
2006 die Vorstadtkrokodile,
2007 Musikalische Weltreise,
2008 Weihnachts- Revue,
2009 Alice im Weihnachtswunderland,
2010 Eine wundersame Reise,
2011 Der Weihnachtszirkus,
Fast alle Ideen kamen von unseren Trainern und wurden von ihnen umgesetzt. Viele Helfer waren bei den Vorbereitungen und der Ausführung mit dabei. Bis zu 100 Personen brachten wir gleichzeitig auf die Bühne und viele, viele Menschen haben wir dabei glücklich gemacht.
Gemeinsam möchten wir auch in den nächsten zehn Jahren den Kinder und Jugendlichen ein gutes Training mit viel Spaß und natürlich Erfolgserlebnissen bei unseren Auftritten Bieten.
Der soziale Gedanke war immer unser Wegbegleiter.
Offen und Öffentlich für alle war immer unser Ziel.
Ehrenamtlich und kostenfrei für Andere so haben wir gehandelt.
Die Türen öffnen für die denen sonst diese verschlossen sind, dass haben wir gelebt.
In den 10 Jahren AWO Kinder und Jugendzirkus Fitzefatze haben uns viele Mensche persönlich und auch mit ihrem Herzen begleitet.
Über 60 Kinder haben unsere Zirkustrainings besucht,
Viele Helfer begleiteten unseren Weg, angefangen von den Eltern der Kinder bis hin zu den vielen ehrenamtlichen Freunden.
Da waren die Trainer: Jürgen, Corinna und Andrea.
Melanie, die viele Jahre den Zirkus leitete,
Hermann und Dagmar, Christian, Anika, Tanja und Dina, so wie unsere Neuen – Erika und Heike.
Alle haben sie am Erfolg unserer Gruppe mit beigetragen. Ohne sie wäre nichts entstanden. An alle möchte ich Heute meinen Dank Richten, besonders an den Mann, der noch am mich glaubte obwohl ich den Kindergarten versenkte, - meinen Freund Hans.
Danke, dass Euer Herz im Zirkus ist.
Danke, dass Ihr da seid.
Und ein besonderes Dankeschön an meine Frau Claudia, die mich immer unterstützte und mir die Möglichkeit gab, den Zirkus diese 10 Jahre zu begleiten.
Martin Pretsch
Zirkusdirektor
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